30 Jahre Ev. Beratungsstelle Duisburg/Moers
15. Juli 2010
29000 Eltern, Kindern, Jugendliche, Familien und Paaren sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der „Ev. Beratungsstelle Duisburg/Moers Psychologische Beratung in Erziehungs-, Familien-, Ehe/Partnerschafts- und Lebensfragen, Schwangerschaftskonfliktberatung“ in den letzten 30 Jahren Ansprechpartner gewesen. Dieses langjährige Bestehen feierte die Beratungsstelle: Nachdem im vergangenen August in Duisburg-Hamborn der erste Teil des Jubiläums begangen wurde, erinnerte der zweite Teil der Feier im Moerser Standort, Humboldtstraße 64 am 9. Juli an die Wurzeln und den Auftrag der Einrichtung. Etwa 70 Besucher waren gekommen, darunter Vertreter und Vertreterinnen der Kirche, der Diakonie, Mitarbeitende aus den Jugendämtern der Städte Moers und Duisburg, Fachkräfte aus anderen Einrichtungen sowie die ehemaligen und heutigen Mitarbeitenden der Ev. Beratungsstelle.
Der Vorsitzendes des Kuratoriums der Beratungsstelle, Pfarrer Harald Bredt erinnerte an den Namensbestandteil "evangelisch". Dahinter verberge sich das Selbstverständnis der Beratungsstelle: Das Evangelium, die Frohe Botschaft, gilt für alle Menschen. So bietet auch die Beratungsstelle Hilfe für jedermann und jede Frau, nicht nur für evangelische Christen. Ferdinand Isigkeit, Superintendent des Kirchenkreises Moers wies auf die Besonderheit hin, dass eine Beratungsstelle von zwei Kirchenkreisen gemeinsam getragen wird. Wie
wichtig die Arbeit den Gemeinden der Kirchenkreise Duisburg und Moers sei, zeige sich schon daran, dass sie zur Finanzierung des Arbeitsbereiches Erziehungs-, Familien, Ehe- und Lebensberatung 59 Prozent Eigenmittel einbringen.
In ihrem Vortrag „Gut beraten und doch ratlos?“ beschäftigte sich Prof. Dr. Marianne Gronemeyer auch aus sprachphilosophischer Sicht mit dem Begriff der Beratung. Es dürfe nicht passieren, dass die Menschen, die Rat suchen, zu Objekten würden. Zu guter Beratung gehöre, dass die Ratsuchenden sich als gleichwertiges Gegenüber erfahren können und so angenommen werden, wie sie sind.
Die Ev. Beratungsstelle Duisburg/Moers steht Ratsuchenden bei einer großen Bandbreite von Fragen zur Seite. „Mit der Begrifflichkeit 'Erziehungs-, Familien-, Ehe-/Partnerschafts- und Lebensberatung' will die Beratungsstelle deutlich machen, dass sie für das ganze Spektrum der heutigen Lebensthemen von Menschen offen ist“, erklärt Ulrike Stender, Leiterin der Einrichtung. Ob es Partnerschaftskonflikte sind oder Probleme mit den Kindern; ob die Schwierigkeiten in der Schule oder Ausbildung unüberwindbar scheinen oder weil man den Stress an der Arbeit nicht mehr bewältigen kann. Oder vielleicht, weil das Leben nach dem Tod des Partners nicht mehr weiterzugehen scheint. Seit 2001 bietet sie auch Beratung für Fruen im Schwangerschaftskonflikt, die nicht wissen, ob sie das Kind zur Welt bringen wollen oder die Schwangerschaft abbrechen. Sie unterstützt auch werdende Mütter und Eltern während der Schwangerschaft und nach der Geburt des Kindes und vermittelt Hilfen, wenn es finanzielle Nöte gibt. Mittlerweile wird zudem in Fragen der Pränataldiagnostik beraten, wenn sich bei vorgeburtlichen Untersuchungen herausstellt, dass das Kind behindert sein wird und die Eltern nicht wissen, ob und wie sie das Leben mit einem behinderten Kind bewältigen können.
„Es gibt keine Einengung auf bestimmte Problembereiche oder Altersgruppen. Der Zugang ist ohne bürokratische Hürden möglich. Niemand muss sich als „krank“ definieren oder eine Diagnosestellung mitbringen“, stellt die Diplompsychologin dar, wie man sich bei der Beratungsstelle melden kann. „Die Beratung ist für die Ratsuchenden kostenfrei, sie ist offen für alle Menschen unabhängig von ihrer Nationalität und ihrer religiösen oder weltanschaulichen Orientierung und sie geschieht vertraulich: Alle Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht.“
Träger der Beratungsstelle sind die beiden Ev. Kirchenkreise Duisburg und Moers. Darüber hinaus besteht seit 1993 eine Kooperationsvereinbarung mit dem Kirchenkreis Kleve, der keine eigene Ev. Beratungsstelle vorhält. Ratsuchende aus dem Kirchenkreis Kleve können das Angebot unserer Beratungsstelle in Moers mit in Anspruch nehmen. Die Erziehungs-, Familien-, Ehe-, Lebensberatung wird mit fast 60 Prozent von den beiden Kirchenkreisen finanziert. Das Land Nordrhein-Westfalen beteiligt sich mit 18 Prozent. Die Stadt Duisburg und der Kreis Wesel sind zusammen mit ca. 14 Prozent beteiligt. Acht Prozent kommen zudem aus Spenden, Kollekten und vom Kirchenkreis Kleve.
Bei der Schwangerschaftskonfliktberatung werden etwa drei Viertel der Kosten vom Land getragen, 16 Prozent finanzieren die kirchlichen Träger. Der Rest kommt vom Kreis Wesel und über Spenden. Der Einzugsbereich der Beratungsstelle erstreckt sich auf beide Kirchenkreise. Kommunal ist dies gleichbedeutend mit dem linksrheinischen Teil des Kreises Wesel und dem gesamten Stadtgebiet Duisburg. Schwerpunktmäßig ist das Team in Moers für den Kreis Wesel linksrheinisch und Duisburg-West zuständig; das Team in Duisburg für das rechtsrheinische Stadtgebiet Duisburg. „Die Beratungsnachfrage war in den 30 Jahren stets sehr intensiv und ging über das hinaus, was die Beratungsstelle angesichts der begrenzten personellen Ressourcen leisten konnte“, fasst Ulrike Stender zusammen. „Die höchsten Fallzahlen verzeichneten wir in den Jahren 1991 - 2003 mit 1000 - 1300 Fällen pro Jahr.“ Danach sanken die Fallzahlen auf etwa 800 - 900 jährlich. Hintergrund war das Wegbrechen der Kirchensteuern und eine gleichzeitige Reduzierung der Landesförderung für die Erziehungs-, Familien-, Ehe-, Lebensberatung, so dass die Beratungsstelle gezwungen war, in diesem Tätigkeitsfeld Personal abzubauen. „Glücklicherweise ging das ohne Kündigungen vor sich“, ergänzt die Leiterin der Beratungsstelle. Um Kosten zu sparen wurden aus ursprünglich vier Standorten jeweils zwei Teams zu einer Einheit zusammengelegt. So entstand 2004 die Dienststelle in Moers und 2006 die Dienststelle in Duisburg. „Für Ratsuchende gibt es links- und rechtsrheinisch also nach wie vor unser Angebot. Allerdings sind die Wartezeiten länger.“ Normalerweise ist ein erster Beratungstermin zwei bis maximal vier Wochen nach einem ersten Anruf möglich.
Weitere Informationen unter
http://www.ev-beratung.de/
... weniger